Autoimmunerkrankungen aus Sicht der funktionellen Medizin

Wenn sich das eigene Immunsystem gegen körpereigene Zellen richtet...

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Laut Literatur gibt es über 100 definierte Autoimmunerkrankungen. Weiterhin gibt es viele Erkrankungen, bei denen man autoimmune Prozesse im Ursprung vermutet. Das Grundgeschehen bei allen Autoimmungeschehen ist dasselbe, nämlich, dass unser eigenes Immunsystem, welches sich gegen Eindringle von außen schützen soll, sich gegen die körpereigenen Zellen richtet. Je nachdem welche Zellen angegriffen werden und wo Entzündungsreaktionen entstehen, äußert sich eine Autoimmunerkrankung mit einem anderen Krankheitsbild und anderen Symptomen. Daher sollte jede Autoimmunerkrankung auch nicht nur auf das erkrankte Organ bezogen gesehen werden, sondern der gesamte Körper mit betrachtet werden. Beispiele für Autoimmunerkrankungen sind u.a. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Zöliakie, Hashimoto Thyreoiditis, Morbus Basedow, Morbus Bechterew, Multiple Sklerose, Psoriasis, Rheumatoide Arthritis oder Diabetes mellitus Typ 1.

 

Autoimmunerkrankungen haben in den letzten Jahren rasant zugenommen. Medizinische Forscher verstehen immer noch nicht genau warum Autoimmunerkrankungen entstehen, doch es scheinen 3 Faktoren im Vordergrund zu stehen: 1. Genetisch bedingte Anfälligkeit, 2. Umweltfaktoren & Infektionen, 3. Lebensstil und Ernährung.

Autoimmunerkrankungen scheinen also aus Wechselwirkungen zwischen ihren Genen und ihrer Umgebung zu entstehen. 

Unter anderem zählen zu den Auslösern:

 

-    Virale, bakterielle, mykotische oder parasitäre Infektionen (z.B. Epstein-Barr-Virus,           Borrelien, Coxsackieviren, Helicobacter, Candida u.v.m….)

-     Großer psychischer oder körperlicher Stress

-     Chemikalien, Schad- und Giftstoffe

-     Schwermetalle

-     Nährstoffmängel

-     Übergewicht

-    Spezielle hormonelle Konstella­tionen z.B. nach der Schwanger­schaft, in den               Wechseljahren, bei Östrogen­erhöhung

-    Ungünstige Ernährungsweise, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Glutensensibilität

-    Mikrobiomveränderunen, Leaky-Gut-Syndrom

-    Ionisierende Strahlung

-    Drogenmissbrauch, Nikotinkonsum

-    Überaktivität des Immunsystems oder andere Autoimmunerkrankungen

-    Chronische Entzündungsneigung

-    Chronische Zahnherde

 

 

Der Fachliteratur für die Erforschung der Gemeinsamkeiten von Autoimmunerkrankungen kann man entnehmen, dass mit Autoimmunerkrankungen auch immer eine erhöhte intestinale Permeabilität (erhöhte Darmdurchlässigkeit) einhergeht oder vorausgeht. Um also eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln, müssen Sie eine genetische Prädisposition haben, mit den entsprechenden Triggern in Kontakt kommen und einen durchlässigen Darm haben. Meistens sind es mehrere Trigger und Auslöser die einem im Laufe des Lebens begegnen und die das Fass langsam füllen, bis das es irgendwann überläuft und es zum Ausbruch der Erkrankung kommt. Eine Autoimmunerkrankung ist also ein multifaktorielles Geschehen. In der Behandlung heißt es dann, diese Trigger zu entlarven und anzugehen, zu eliminieren, zu entgiften, zu verändern…. Ein zentraler Baustein als Basis des Lebens spielt dabei die Ernährung.

Ein durchlässiger Darm entsteht durch Ernährung und Lebensstil. Durch das richtige Umstellen dieser Faktoren können Sie Ihren Darm wiederherstellen und das Angehen aller Bausteine, die zur Erkrankung beigetragen haben, die Autoimmunerkrankung zum Stillstand bringen.

Autoimmunerkrankungen führen zu chronischen Entzündungen. Andererseits führen chronische Entzündungen immer wieder zu Schüben der Autoimmunerkrankung. Ein Teufelskreislauf entsteht. Daher ist ein Baustein in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen auch die Bekämpfung der Entzündung. Hier kommen zum Beispiel Substanzen wie Omega 3 und Curcumin zum Einsatz, aber sehr wichtig zur ursächlichen Behandlung von immer wiederkehrenden Entzündungen ist ein gesunder Darm mit einer gesunden Schleimhaut und Darmflora. Ein Leaky-Gut und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollte in jedem Fall behandelt werden um immer wiederkehrende Immunprozesse zu eliminieren. Durch verschiedene Laborparameter lassen sich Entzündungsvorgänge im Körper aufdecken.

 

Als Folge des Entzündungsprozesses entsteht ein erhöhter oxidativer Stress in den Zellen, der freie Radikale und Immunzellen verstärkt freisetzt und zu einer Dysbalance im Immunsystem führt. Neben einer TH1/TH2 Dysbalance, kann es auch zu einer T-Zell abhän­giger Zytotoxizität, überschießender Bildung von entzündungsfördernden Zytokinen, erhöhtem oxidativem und nitrosativem Stress und einem unre­gulierten Zelltod kommen. Außerdem wird auch oft eine reduzierte mito­chondriale Aktivität (Funktionsfähigkeit der Kraftwerke unserer Zellen) verbunden mit einer geringeren ATP-Synthese (Energieproduktion) gemessen. Durch verschiedene Auslöser kommt es zu einer Überaktivität des NMDA-Rezeptors und dadurch zu einer Aktivität von NfkB was die Entzündung fördert. Durch nitrosativen Stress kann es zur Bildung von Nitrotyrosin kommen, was die Bildung von Schild­drüsenhormonen reduziert sowie zur Nitrosierung von Tryptophan, was die Bildung von Serotonin und Melatonin reduziert. Dies kann zu depressiver Verstimmung und Schlafstörungen beitragen. Weiterhin fördert Peroxinitrit die Neurotoxizität sowie die Hemmung der 7-alpha-Hydroxylase, was zu erhöhten Cholesterinspiegeln führen kann.

 

Autoimmunerkrankungen bedeuten Stress für den Körper. Cortisol und Adrenalin Ausschüttungen fordern die Nebennieren, bis diese irgendwann schwächeln. Dies geht mit Symptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Unruhe, Konzentrationsschwäche, Leistungsminderung, Ängsten, Depressionen, Nervosität, Muskelzittern und ähnlichem einher. Durch diese Symptome werden Patienten häufig als psychosomatisch eingestuft und mit Antidepressiva behandelt, obwohl die eigentliche Ursache ganz woanders liegt. Durch eine Unterstützung der Nebennieren, geht es den Patienten wieder besser.

 

Während viele Menschen ihren Nährstoffbedarf über eine gesunde Ernährung decken können, ist dies bei Autoimmunerkrankungen in der Regel anders. Patienten mit Autoimmunerkrankungen müssen verschiedene Nährstoffe durch zusätzliche Einnahme zuführen. Zum Beispiel wird bei einem Patienten mit Psoriasis häufig die Einnahme an Zink und Vitamin B12 nötig sein. So gibt es zwischen den verschiedenen Autoimmunerkrankungen und Mikronährstoff-mängeln einen Zusammenhang. Diese Mängel können zum Beispiel durch eine gestörte und damit verringerte Aufnahme im Darm entstehen oder durch einen erhöhten Verbrauch durch die Erkrankung. Aus diesem Grunde macht es Sinn die Nährstoffversorgung von Zeit zu Zeit zu überprüfen und die Einnahme daran anzupassen. Denn nicht nur Mängel können Stoffwechselvorgänge stören, sondern auch Überdosierungen.

 

Ganzheitliche Therapieansätze

 

- Individuelle Behandlung des Darm­mikrobioms sowie der intes­ti­nalen Darmbarriere

-  Glutensensibilität berück­sichtigen so­wie Nahrungsmittel­unverträglich­keiten

-  Individuelle Optimierung und Anpas­sung der Ernährung und der psychischen Stabilität

-  Nährstoffdefizite beseitigen, insbes­ondere:

o Selen

o Eisen 

o Zink 

o Vitamin D3 

o Vitamin B12 

o Vitamin B6

o Folsäure

o Magnesium

o Glutathion

 

-  Entzündungshemmung

-  Erhöhung der antioxidativen Kapazität

-  Hemmung von nitrosativem Stress

-  Stärkung der mitochondrialen Energie­­­­­­gewinnung

-  Balancierung eines gestörten Immun­systems

-  Individuelle Entgiftungsmaßnahmen

-  Behandlung von eventuellen Infek­tionen

-  Stärkung der Leber und des Gallen­flusses

-  Stärkung der Nebennieren und der Geschlechtshormone

 

 

Auf den Punkt, die Ernährung zu optimieren, möchte ich nochmal kurz etwas genauer eingehen. Viele Patienten nehmen aufgrund der modernen Ernährungsweise zu viele Kohlenhydrate zu sich. Dauerhaft zu viele Kohlenhydrate mit einem hohen glykämischen Index in der täglichen Ernährung können zu einer Insulin­resistenz führen. Die Insulin­resistenz blockiert durch den ständig erhöhten Insulin­spiegel auch die Funktion des Hormonsystems. Insulin fördert die Cortisol- und Adrenalin­produktion der Neben­nieren, wodurch der Körper unter Stress steht. Insulin hemmt die Umwand­lung des Schild­drüsenhormons T4 in T3 und reduziert den Vitamin C Gehalt in den Zellen. Magnesium-, Natrium- und Calcium­mangel können auch Fol­gen einer Insulin­resistenz sein, mit dem Ergebnis eines erhöhten Risikos für Bluthochdruck, Wasser­einlagerungen, Ödeme und Herzrhyth­mus­stör­ungen. Es gibt außerdem viele ernährungs­bedingte Faktoren, die Nährstoffmängel verur­sachen, die zu einem durch­lässigen Darm oder einer Darmdysbiose führen und die zu Entzündungen oder der Aktivierung des Immunsystems bei­tragen. Zu diesen Nahrungsmitteln zählen unter anderem verarbeitete Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, Zucker, zu viel Omega 6 Fettsäuren, Getreide (v.a. Gluten, Lektine, Sapo­nine, Phytate), hoch­gly­kä­mische Er­näh­r­­­ung, zu wenig Ballast­stoffe, zu wenig hochwertige Fett­säuren. Wichtig ist eine nährstoffreiche, frische und biologische Ernährung mit Gemüse, Beeren, Ker­nen, Nüssen, Kräutern, Gewürzen, hoch­wertigem grasgefüttertem Weide­fleisch, Fisch, gesunden Fetten und stillem Wasser (mindestens 35 ml pro Kilogramm Körpergewicht). Besonders bewährt hat sich die Ernährungsform Paleo oder eine Ernährung nach dem Autoimmun Protokoll. Die individuelle Lebenssituation des Patienten sowie persönliche Unverträglichkeiten und Allergien müssen hier aber immer mitberücksichtigt werden. Eine Beschreibung zum Paleo Autoimmunprotokoll finden Sie im letzten Blog Artikel (Link).

 

 

Ziel aller Therapieansätze ist, dass das Autoimmungeschehen langsamer verläuft oder zum Still­stand kommt, sich die Entzündung beruhigt und der Organismus und Stoffwechsel in seiner Funktion gestärkt wird. Die Beschwerden des Patienten sollten zurückgehen und die Lebensenergie zurückkehren.

 

Quellen:

-      -  Sarah Ballantyne: Die Paläo Therapie: Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden SIe   wieder gesund; Riva Verlag, 2016

-  Dr. Nikolas R. Hedberg: Hashimoto’s disease: The infection Connection; http://hypohyroidmom.com/hashimotos-disease-the-infection-connection/

-  Prof. Dr. med. Roland Gärtner: Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, Äthiologie uns Epidemiologie; Naturheilkunde Journal Ausgabe November 2016, S. 4-9

-  Prof. Dr. Armin E. Heufelder: Immunthyreoiditis Hashimoto Update 2011, 25. November 2013, Schilddrüsenguide

-   Lothar Ursinus: gesund & aktiv Das Stoffwechselprogramm; Schirner Verlag; 1. Auflage 2008

-  Peter Jennrich: Europarat ruft dazu auf, die Umweltbelastungen durch Quecksilber zu reduzieren; Comed, 07/2011

-   Dr.Hill: Chronisch krank durch Chemikalien; Shaker Verlag, 2008

-   Shaye Kivity et al.: Vitamin D and autoimmune thyroid diseases; Cellular & Molecular Immunology 8, 243-247 (May 2011)

-   Dr. med. James L. Wilson: Grundlos erschöpft? Nebennierenschwäche – das Stress-Syndrom des 21. Jahrhunderts; Goldmann Verlag; 2011; 6.Auflag

 

 

Autorin: Oec. troph. Lena Gatzweiler, Heilpraktikerin


Hinweis:

Die angegebenen Therapieverfahren und deren Wirkungen sind schulmedizinisch / wissenschaftlich weder bewiesen noch anerkannt. Sie beruhen ausschließlich auf dem Erfahrungswissen der Naturheilkunde bzw. der Alternativmedizin und entsprechen nicht der allgemeinen Lehrmeinung. Der Verlauf und Erfolg der Behandlung hängt zudem stets von individuellen Faktoren des Patienten ab. Eine Heilung oder Linderung einer Erkrankung kann deshalb nicht zugesichert oder garantiert werden.

Die hier getroffenen Informationen und Aussagen sind kein Ersatz für eine ärztliche oder heilpraktische Behandlung. Die Informationen und Aussagen beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungswerten von Anwendern. Ausdrücklich sind sie keine Aufforderung zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung. Wir treffen keine Heilaussagen und schon gar keine Heilversprechen im rechtlichen Sinne und möchten diese auch so verstanden wissen. Wer Informationen aus dem hier Gesagten anwendet, tut dies auf eigene Verantwortung. Bitte besprechen Sie alle Behandlungen vorher mit Ihrem Arzt.